• Benjamin Seegert

Benjamin Seegert - Die MomJeans


In der Modewelt wird nicht selten darauf verwiesen, dass die MomJeans, jene sich gleichermaßen dem Interesse von Mann und Frau erfreut, ein Spiel mit den weiblichen Kurven sei. Dabei sehe der Hintern zwar flacher, aber auch größer aus, und der lockere Hosenbund, wie auch die lockere Hose überhaupt, suggerieren, dass das Weib schlanker sei, als sie eigentlich ist.

Ein schlanker Körper oder ein großer Hintern oder Haarfarbe oder rasierte oder nicht rasierte Beine oder Achseln, sind jedoch keine für sich stehenden Entitäten. Es sind Symbole, Bedeutungsträger. So ist auch die MomJeans ein Bedeutungsträger, und attraktiv für viele, da sie die Funktion eines Fetisches, bzw. eines Fetischobjekts erfüllt. In diesem Fetisch können sich dann das homosexuelle Begehr des Mannes und der Penisneid der Frau befriedigen. Anders gesagt, in der MomJeans hat der Kastrationskomplex eine Verkleidung gefunden.


 „Der Fetisch ist der Ersatz für den Phallus des Weibes (der Mutter), an den das Knäblein geglaubt hat und auf den es – wir wissen warum – nicht verzichten will“ Sigmund Freud

Indem die Kastration der Frau zwar wahrgenommen, aber unbewusst nicht anerkannt wird, anders gesagt, verleugnet wird, entsteht der Fetisch, bzw. das Fetischobjekt. Ein anderes Objekt rückt an die Stelle des gewünschten, aber nicht existenten Penis. Nach Freud sind dafür besonders Objekte prädestiniert, welche kurz vor Anblick der Penislosigkeit gesehen wurden, bzw. den Blick auf die Penislosigkeit verhinderten, oder einen phantasieren ließen und lassen, dass dort ein Penis sein könnte. Aus dieser Logik heraus, ließe sich begründen, warum beispielsweise Unterwäsche, Füße, oder Fell, als Scharmhaarsymbol unter Fetischisten großes Interesse genießen. Darin spiegelt sich besonders auch das Perspektivische Moment wider, was ebenso erklären könnte, warum viele Männer an Frauen lange Beine erregend finden. Aus Perspektive des Kindes ist es ein nach oben gucken, alles sieht länger aus als es ist und im Abschreiten der Beine nach oben, durch den Blick, landet man dann bei der Unterwäsche. Wenn diese ausgezogen wurde, erblickt man die Kastration. In der Hinsicht ist das Verweilen bei den Beinen vllt. auch ein sich unbewusst Erinnern, oder ein „Hoffen“ auf die Unendlichkeit der Beine, dass niemals die Kastration zu erblicken sein wird. Der Fetisch offenbart sich damit als ein Wunsch, ein Festhalten an der Vorstellung, dass das Weib einen Penis besitzt. Der Fetisch erotisiert, im Sinne eines Traumas, die letzte Erfahrung vor dem Anblick der Penislosigkeit.


„Er (der Fetisch – B.S.) bleibt das Zeichen des Triumphes über die Kastrationsdrohung und der Schutz gegen sie, er erspart es dem Fetischisten auch, ein Homosexueller zu werden, indem er dem Weib jenen Charakter verleiht, durch den es als Sexualobjekt erträglich wird.“ Sigmund Freud

Die MomJeans als zu großgeratene Hose verweist einerseits auf die Entstehung der MomJeans aus der BoyfriendJeans, zumindest dem Tragen der Hosen des Mannes. Allein das könnte als Inszenierung eines Männlichkeitswunsches gedeutet werden. Es ist, wenn man so will, ein wenig so, als würde Frau Mann sein spielen. Weiterhin ist die MomJeans eine Hose, kein Rock. Hinfällig ob das Kind nun von unten nach oben schaut, entbehrt es der Möglichkeit, der Kastration gewahr zu werden. Die Kastration ist verdeckt durch die Hose. Der Junge kann sich phantasieren, darunter befände sich weiterhin ein Penis. In dieser Hinsicht könnte auch für erwachsene Männer der Grund gefunden werden, warum Jeans, oder Hosen an Frauen im Allgemeinen für Männer mit der Zeit attraktiver wurden.

Der Rock hingegen, das Kleid, als die Kleidung, die die weibliche Beschneidung hervorhebt, diese erotisiert, durch die Öffnung nach unten, wie auch das Weib nach unten offen ist, wird immer weniger getragen. Wohl nicht wenig durch den Feminismus beeinflusst, ist die stetige Angleichung der Moden von Mann und Frau zu bemerken, was wohl auch ein Versuch sein mag, die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu negieren.

Aber auch die Frau, so Freud, möchte gerne das haben, was der Junge besitzt, einen Penis. Ihr Begehren gegenüber dem Penis wird in Konsequenz der Nichtexistenz des Penis zu einem masochistischen Begehren. Sie hat den Penis nicht real, dann möchte sie ihn bekommen, durch das Eindringen des Mannes, sie begehrt den Penis, den Mann für sein Glied. Die Frau kann sich nun in der MomJeans/Jeans suggerieren, sie hätte einen Penis. Sie kann im Tragen der Hosen des Freundes oder Mannes, so tun, spielen, als sei sie ein Mann oder auch ein Mann, bspw. breitbeinig sitzen wie ein Mann, habe also ein männliches und ein weibliches Genital zugleich. Nicht wenige Frauen berichten, dass sie sich selbstsicherer fühlten in der MomJeans, in Jeans im Allgemeinen, stärker und emanzipierter. Es ermöglicht unbewusst die Phantasien um den eigenen Penis zu genießen und andererseits bemerkt natürlich auch die Frau das Begehren der Männer an ihr, also dass sie begehrt wird, für die Inszenierung einer gewissen weiblich-phallischen Position. Wenn sie so tut als hätte sie einen Penis, aber trotzdem ihre weiblichen Kurven hervorhebt, begehren wohl viele Männer sie für beides.

Neben all den penissymbolisierenden Aspekten ist die zu groß geratene Hose, so wie das kleine Mädchen gerne Mutter spielt, ebenso ein Sinnbild für eine Verkleidung. Das Mädchen schlüpft damit in Muttis zu groß geratene Hosen und gleichzeitig die des Freundes, kann unbewusst die Phantasie genießen, Mann und Mutter, aber auch Mädchen zu sein. Die Phantasie der phallischen Mutter, kann in der MomJeans ihren Ausdruck finden, und erlaubt so, einige Begehren in Szene setzen und hilft damit so manche Ängste zu schmälern.


„Ja, das Weib hat im Psychischen dennoch einen Penis, aber dieser Penis ist nicht mehr dasselbe, daß er früher war. Etwas anderes ist an seine Stelle getreten, ist sozusagen zu einem Ersatz ernannt worden und ist nun der Erbe des Interesses, das sich dem früheren zugewendet hatte. Dies Interesse erfährt aber noch eine außerordentliche Steigerung, weil der Abscheu vor der Kastration sich in der Schaffung dieses Ersatzes ein Denkmal gesetzt hat.“ Sigmund Freud

Autor: Benjamin Seegert

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