• Benjamin Seegert

Benjamin Seegert - Freundschaft zwischen Mann und Frau - Vom Wesen der Freundschaft


Freundschaft ist und ich wehre mich damit gegen die inflationäre Verwendung des Begriffes Freundschaft, im Prinzip nichts anderes als eine sexuell gehemmte Liebesbeziehung. Und durch diese sexuelle Hemmung ermöglicht und verunmöglicht sie eine bestimmte Art der Beziehung miteinander.

Aufgrund manifester Heterosexualität haben z.B. Männer die Möglichkeit miteinander befreundet zu sein, da Ihre Sexualität gegenüber einander gehemmt ist, ihre Homosexualität ist verdrängt. Dieser Fakt verunmöglicht die konkrete Sexualität zwischen beiden. Hingegen in einer heterosexuellen Konstellation, zwischen Mann und Frau, besteht diese sexuelle Hemmung nicht. Die Liebe zueinander, das natürliche Begehren am Anderen welches eine Freundschaft ja mitbringt, kann und muss nicht sublimiert werden, im Gegenteil, eine Liebesbeziehung zu vertiefen, durch die Involvierung der konkreten Sexualität ist die unbewusste Stoßrichtung.

Man könnte nun natürlich fragen, was das denn bitte ändern soll, man könnte doch trotz sexuellen Interesses befreundet sein. Wenn man sich vorstelle, dass der beste Freund oder Freundin mit einem schlafen wolle, oder man mit ihm oder ihr, würde es was daran ändern, wie man sich verhält, welche Dinge man teilt oder nicht und letztlich wäre die Beziehungsmotivation und das Handeln und Denken in dieser Beziehung unbewusst oder sogar bewusst durchsetzt durch den Wunsch sexuell zu interagieren, oder aber durch die Abwehr dagegen.

Die Betrachtung von Freundschaft von Mann und Frau ist ebenfalls geprägt durch die Begehrensstruktur der jeweiligen Geschlechter. Wo der Mann konkretistischer, phallischer sein Begehren strukturiert, ist die Sexualität der Frau stärker narzisstisch gefärbt. Für die Frau spielt es eine größere Rolle begehrt zu werden, gewollt zu werden. Die Frau genießt sich selbst über das begehrt werden durch den Mann. Das sich selbst in Szene setzen, in Kleidung, Aussehen, den Körper schmücken, die Körperlichkeit in den Vordergrund rücken, hat etwas mit dem Begehren zu tun, begehrt werden zu wollen. Der Mann hingegen ist aktiver aufgestellt, genießt also das „etwas Begehren“, mehr als das Begehrt-werden. Im Dating wird das offensichtlich, dass Frau sich in Szene setzt und Mann Frau anspricht, oft unwissend ob überhaupt ein Begehr der anderen Person besteht. Aber das Begehr der Frau gegenüber der bestimmten Person kann im Akt des Ansprechens etc. im besten Falle geschaffen und befriedigt werden. Sie mag einen Mann weil er sie begehrt und der Mann versucht sie von sich zu überzeugen, dass sie von ihm begehrt werden möchte. Kulturell gesprochen überzeugt, verführt der Mann die Frau. Animalischer gesprochen überwältigt der Mann die Frau, sodass, wenn er dazu fähig ist, auch wert ist des Begehrens der Frau.

Doch Nochmals zurück zur Freundschaft. Man könnte nun auch sagen, dass wenn man „hässliche“ Freunde hätte, würde es funktionieren, also Freunde die man körperlich oder, das körperliche sagt auch etwas über das geistige aus, geistig abstoßend fände. Aber auch an dieser Stelle ist einzuwerfen, dass man mit diesen dann wahrscheinlich jedoch nicht befreundet wäre. Freundschaft, und so sehr die Homosexualität darin sublimiert werden kann, lebt aber vom gegenseitigen Begehren füreinander. Man sucht sich Freunde die einen anziehen, die man attraktiv findet, körperlich wie geistig. Sie haben darüber hinaus eine ähnliche Struktur des Begehrens und Erlebens. Ich habe z.B. keine dicken Freunde. Nicht weil ich finde, dass das schlechte Menschen sind, sondern weil wir uns unbewusst in unserer Begehrensstruktur unterscheiden, so dass sich unser Begehren schlechter treffen kann. Ich habe dagegen Freunde, die zu gewissen Teilen ebenfalls meinen Lastern und Vorlieben frönen, und/oder ähnlich strukturiert sind wie ich. Anders gesagt, ich muss meine Freunde anziehend finden, damit sie meine Freunde werden können, und wir müssen die Welt und unser Begehren, und die Konflikte und Hemmungen darin, zumindest teilweise ähnlich erleben, oder so dass es miteinander interagieren kann. Das ist aber keine bewusste Wahl, sondern eine unbewusste. So wie man sich in Personen verliebt, nicht weil man sich bewusst dazu entschieden hat, sondern weil es unbewusst entschieden wurde. Ich will nun auch nicht sagen, dass man nun den Kontakt zum anderen Geschlecht meiden sollte, auch nicht den persönlichen, intellektuellen oder intimen, im Gegenteil. Ich sage nur, dass es meiner Ansicht nach eine natürliche Grenze der Beziehung und derer Tiefe gibt, sowie eine bestimmte Art von Konfliktpotential, dessen man sich bewusst sein sollte. Des öfteren hörte ich von älteren Personen, im Widerspruch zu meinen Thesen, dass es im Alter eine Freundschaft zwischen Mann und Frau geben könne, doch wurde gleichzeitig erwähnt, dass die Sexualität im Alter nachlasse, was meiner Ansicht nach letztlich jedoch der Grund wäre, warum die Freundschaft möglich wurde.

Um am Ende ein wenig Salz in die Wunde zu streuen, möchte ich nun mit Freud, im Bezug zum weiblichen Ödipuskomplex sowie mit Schopenhauer und seiner, ich nenne es mal etwas euphemistisch „Enttäuschung“ gegenüber Frauen aber auch fragen, ob es eigentlich überhaupt wahre Freundschaften zwischen Frauen geben kann.


„Zwischen Männern ist von Natur bloß Gleichgültigkeit; aber zwischen Weibern ist schon von Natur Feindschaft. Es kommt wohl daher, daß das odium figulinum, welches bei Männern sich auf ihre jedesmalige Gilde beschränkt, bei Weibern das ganze Geschlecht umfasst; da sie alle nur ein Gewerbe haben. Schon beim Begegnen auf der Straße sehen sie einander an, wie Guelfen und Ghibellinen. Auch treten zwei Weiber, bei erster Bekanntschaft, einander sichtbarlich mit mehr Gezwungenheit und Verstellung entgegen, als zwei Männer in gleichem Fall. Daher kommt auch das Komplimentieren zwischen zwei Weibern viel lächerlicher heraus, als zwischen Männern.“ Arthur Schopenhauer

Autor: Benjamin Seegert

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