• Benjamin Seegert

Die Erfindung der Psychoanalyse - Eine kleine Einführung in die Psychoanalyse


Von der Hypnose zur Psychoanalyse


1. Die Hysterie

Die Erfindung der Psychoanalyse geht auf Sigmund und seine Beschäftigung mit der Hysterie zurück. Unter Hysterie kann man grob gesagt eine Art Anfallsleiden verstehen, welches sich in Wutausbrüchen, Funktionsausfällen, Lähmungen, bzw. körperlichen Erscheinungen äußert. Die betreffende Person ist in diesen Momenten nicht Herr über sich selbst, wird überrascht und überwältigt vom eigenen Erleben und Handeln.

Im ausgehenden 19. Jhd. befiel dieses Leiden Europa, ähnlich einer Epidemie. Als Gesellschaft selbst geschockt durch die Dramatik dieses Leidens gab man sich der Ohnmacht hin und behandelte Hysteriker als unheilbar Kranke, als Verrückte. Wobei der Begriff Behandlung an der Stelle eigentlich nicht treffend ist.

In den besten Fällen wurde vergeblich versucht die betreffenden Personen mit heiß/kalten Bädern zur Besinnung zubringen, sie durch Spaziergänge zu beruhigen. In den anderen Fällen wurden die Patienten zwangsbehandelt, durch Fixierung ruhiggestellt, oder wie im Falle der Salpe Triere weggesperrt.

Der damalige Zugang zu diesem Leiden war hauptsächlich naturwissenschaftlich, medizinisch und damit so unwirksam wie eine Psychoanalyse, um ein gebrochenes Bein zu heilen.


2. Freud und die Hypnose

Durch ein Stipendium ermöglicht ging Freud nach Paris an eben diese Salpe Triere, um bei Charcot zu studieren. Charcot war zu dieser Zeit eine Berühmtheit, eine Person, die durch ihre spektakulären Vorlesungen Menschen aus allen Schichten anzog und in Freud möglicherweise den Funken setzte, die ihm die Erfindung der Psychoanalyse ermöglichte. Denn das besondere an Charcots Vorlesungen war, dass er, anders als zu dieser Zeit üblich, die Hysterie als psychologisches Leiden betrachtete und anders als oben bereits beschrieben, mit Hypnose behandelte. Dabei zeigte er, dass unter Hypnose die hysterischen Symptome verschwanden, wenn er es wollte, und er sie durch Suggestion, genauso gut auch wieder hervorrufen konnte. Freud war zutiefst fasziniert von dieser Person und seinen Erfahrungen an der Salpe Triere. Denn Charcot stellte mit seinem Einfallsreichtum nicht nur Freuds Denken auf den Kopf, sondern die gesellschaftliche Betrachtung der Hysterie überhaupt.

Durch diese Erfahrungen inspiriert wurde Freud in eigener Praxis tätig und verwandte die Hypnose von nun selbst, um die Hysteriker zu behandeln. Die Hypnose führte Freud noch, wie er es durch Charcot gelernt hatte jedoch rein suggestiv durch.


3. Die kathartische Methode

Im Kontakt mit Joseph Breuer, ebenfalls Nervenarzt, der mit Hypnose arbeitete, entwickelten sie den ersten Vorläufer der Psychoanalyse, die kathartische Methode. Der Fall Anna O. ist dahingehend der erste berühmtgewordene Fall, der mit dieser Methode behandelt wurde. Die Niederschrift ist in den Studien über Hysterie zu finden, und spiegelt differenziert und spannend die Vorzüge und Grenzen dieser Behandlungsmethode dar.

Grundlegend kann man die kathartische Methode als ein Ausforschen unter Hypnose verstehen. Man stellte fest, dass unter Hypnose die Patienten Erinnerungen zutage förderten, die sie im Wachen nicht erinnerten. Weiterhin konnten Symptome auf Auslösesituationen, bzw. Phantasien, Gefühle, Konflikte, zurückgeführt werden, die dem Patienten nicht bewusst waren. Ein Erinnern dieser Auslösesituation und Abreagieren der „verklemmten Affekte“, wie Freud es nannte, bewirkte erstaunlicherweise ein Verschwinden der Symptome. Unter verklemmten Affekten ist gemeint, dass in den Auslösesituationen Emotionen, wie z.B. Wut, seelischer Schmerz, Angst, Schuld oder Scham unterdrückt, also verdrängt wurden, unbewusst wurden. Doch so sind diese Affekte, also diese Spannungen noch immer vorhanden. Und so versucht der eingeklemmte Affekt immer wieder sich zu lösen, bleibt dabei aber notwendigerweise unbewusst, scheitert an der direkten Abfuhr, und erzeugt Symptome, wie z.B. die hysterischen, als einen verstellten Ausweg der Triebabfuhr. Diese Methode war bei der Heilung durch Abreagieren so erfolgreich, dass Freud und Breuer diese der suggestiven Methode von nun an vorzogen.

Zwei Einsichten sind also besonders hervorzuheben. Einerseits schlossen Freud und Breuer aus diesen Erfahrungen, dass es scheinbar etwas außerhalb des Bewusstseins geben muss. Sie hießen diesen Zustand von nun an unbewusst. Andererseits stellten sie fest, dass Erkenntnis, Verstehen, Erinnern, Abreagieren, also kurz gesagt, dass bewusst werden Symptome auflösen konnte.


4. Die Psychoanalyse

Doch so erfolgsreich die Behandlungen mit der kathartischen Methode schienen, und im Gegensatz zu den anderen Behandlungsmethoden auch waren, fiel Freud auf, dass Symptome einerseits wiederkehren konnten, sich verschoben oder sehr situationsbezogen nur geheilt wurden. Darüber hinaus wusste der Patient außerhalb der Hypnose trotzdem oft nicht um die Erinnerungen, und war in keiner Hinsicht vor neuen Auslösesituationen geschützt. Es war zwar eine Heilung, so doch keine umfassende. Es war unmöglich außerhalb der Hypnose an die Unbewussten Erinnerungen, Gedanken, Konflikte zu kommen. Etwas musste den Patienten daran hindern. Dieses Etwas sollte sich später als Widerstand herausstellen. Widerstand bedeutet das Motiv hinter der Abwehr. Die Abwehr, wie z.B. Verdrängung ist das Wie, der Widerstand ist das Warum. Also warum darf etwas nicht ins Bewusstsein treten. Der Inhalt, also die Erinnerung etc. wäre dann das Was, also das was nicht bewusst werden darf.

Freud experimentierte mit seiner Behandlung und entwickelte in diesem Zuge die Position, die für die Psychoanalyse heute sinnbildlich ist. Der Patient legt sich auf die Couch, wie bei der Hypnose, Freud saß hinter ihm, war also nicht sichtbar. Er forderte den Patienten nun auf, alles, wirklich alles, was ihm durch den Kopf ging, unabhängig vom Inhalt, den Ängsten, oder der Scham, die damit verbunden war, zu erzählen.

Dadurch stellte sich ein Zustand ein, der ähnlich dem der Hypnose war, Erinnerungen traten ins Bewusstsein, die einst vergessen schienen. Doch, im Gegensatz zur Hypnose, war der Patient sich bewusst um das Bewusstwerden. Auch die Widerstände konnten nun als Objekt der Untersuchung betrachtet werden, und es stellte sich heraus, dass es nicht der Inhalt ist, der von primärer Bedeutung war, sondern die Bedeutung des Inhaltes, also das Warum hinter der Abwehr.

Besonders in den Träumen, so fiel Freud auf, drücke sich dies auffällig stark aus. Er sah den Traum aus mehrerlei Hinsicht immer als Wunscherfüllung an. In „Die Traumdeutung“ 1900 erschienen, veröffentlichte Freud sein erstes Modell über die Psyche des Menschen, legte damit offiziell den Grundstein für die Psychoanalyse und schuf ihr sogenanntes Ur-Buch.

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